Ich bekam heute einen interessanten Impuls. Ich hatte ein Gespräch mit einer Mama, die mir erzählte, dass ihr 14jähriger Sohn einen verschärften Verweis an der Schule bekommen hat.

Hintergrund sei….er mache bei allem mit, was seine Schulkameraden so machen, lässt sich auch gerne „vorschieben“, nur um cool zu sein…da er seit längerem immer wieder gehänselt wurde, weil er rote Haare hat und Sommersprossen.

Wir haben dann generell so geredet, dass heutzutage Dinge, die früher ganz normal waren und auch zum Erwachsenwerden dazugehört haben, absolut verpöhnt sind und auch schon richtiggehend bestraft werden, wie z. B. den Mädels an den Po zu fassen… ich musste ihr recht geben, ich als Kind, ich bin jetzt 48 Jahre alt, bin ganz anders aufgewachsen wie viele Kinder heutzutage….wir haben alles gemacht, was verboten war…natürlich war das immer am Interessantesten….und so lange nichts passiert ist….wir haben auch „Klingel geputzt“…das kennt heute gar keiner mehr….natürlich hätten unsere Eltern das nicht wissen dürfen und natürlich sind wir auch von dem einen oder anderen wüstest beschimpft worden…na und?

Auch in der Schule haben wir den einen oder anderen Streich gemacht…wir sind dann belehrt worden und gut….da sind nicht sofort die Eltern angesprochen worden oder noch anders, wie es heute auch Usus ist…dass die Eltern sofort in der Schule antanzen, wenn das Kind zuhause so was erzählt….und in dem Gespräch fiel auch der Satz, die heutige Gesellschaft will ja keine Kinder, die ihren eigenen Kopf haben, es sind Kinder gewünscht, die lenkbar sind, das möchte die Gesellschaft…

Aber wer ist denn die Gesellschaft….das sind doch wir….oder sehen wir uns getrennt von der Gesellschaft…ich mache aber die Erfahrung, dass ganz viele nicht so ganz glücklich sind mit der „Gesellschaft“, weil so viel „vorgeschrieben“ wird, wir werden begrenzt, wir werden kontrolliert, wir könnten nicht machen, was wir wollen…wir müssen einem Job nachgehen, der uns keinen Spaß macht, weil wir Geld verdienen müssen….sonst können wir nicht „mithalten“, was sich wiederum negativ auf unsere Kinder auswirkt…sie werden gehänselt…also müssen wir täglich „in den sauren Apfel beißen“, um gesellschaftsfähig zu bleiben….
Und jetzt wieder die Frage – wer ist denn eigentlich die Gesellschaft – und wer trägt die Verantwortung…für unsere Gesellschaft….für die Normen…für unsere Kinder…für unser Leben?

Die Gesellschaft? Na dann….leben wir wirklich frei? Nutzen wir die Freiheit, die wir haben? Einerseits stört es uns, was „die Gesellschaft“ vorgibt, andererseits wollen wir wohl vorgegeben bekommen, was wir wie wann und wo tun sollten…oder? Dann können wir getrost „der Gesellschaft“ die Verantwortung in die Schuhe schieben, die wir aber eigentlich selbst sind, oder? Irgendwie Paradox…
Ich denke, dass wir dahingehend viel unbewusst einfach hinnehmen, weil es immer schon so war, weil wir es auch nicht hinterfragen…auch nicht hinterfragen wollen, weil es anstrengend ist…und vielleicht auch, weil uns dann bewusst wird, dass wir selbst die Verantwortung für unser Leben, unser Tun und Sein oder auch Nicht-Sein übernehmen müssen/dürfen….wollen wir das? Können wir das überhaupt? Was dann?

Wir werden es nicht wissen, solange wir es nicht versuchen, oder?