Wie sehen wir eigentlich das Leben

Vor ein paar Tagen ist eine Bekannte meiner Mutter an Krebs gestorben mit Mitte 60. Meine Mutter erzählte mir, dass diese Bekannte ihre Eltern bis zum Tod gepflegt hat und später ihren Bruder, der ebenfalls an Krebs erkrankte, da dieser auch im Haus wohnte. Sie war nie verheiratet, keine eigene Familie…“aufgeopfert“ für die Familie….und dann sagte meine Mutter einen Satz, den ich schon oft, von ihr und auch von anderen gehört habe „Sie hat doch ihr Leben lang keinem was getan“

 

Was heißt das? Was meint sie damit? Ich dachte dann etwas später darüber nach…eigentlich hätte ich sie fragen sollen „Wie meinst Du das? Hat denn das Leben ihr was getan?“

Ich glaube, unbewusst denkt sie das schon…warum ist das Leben so grausam?

Ist es wirklich das Leben oder auch Gott, der vermeintlich grausam ist? Oder ist es vielleicht so, dass Gott oder das Leben uns den freien Willen lässt, was wir aus unserem Leben machen?

Welche Sicht haben wir auf das Leben? Empfinden wir das Leben anstrengend?

 

Vor kurzem hat mich auch ein Ausspruch einer guten Bekannten irritiert. Sie wurde letztes Jahr 50 und meinte dann, wenn sie schon 55 Jahre alt geworden wäre, hätte sie auch nichts dagegen, dann hätte sie nicht mehr so lange zur Rente…ich dachte darüber auch einige Zeit nach….ist das die Ansicht, die wir teilweise über das Leben haben? Ich kann mich erinnern, dass ich auch teilweise, wie es heute in den Medien auch noch geschürt wird „uh, schon wieder Montag“, am Mittwoch dann „nur noch 2 Tage, dann ist Freitag“ – mir ging es auch so… ich hatte morgens keine richtige Lust aufzustehen, am Sonntag dachte ich mir auch „morgen schon wieder Montag“, am Mittwoch dachte ich mir „endlich Mitte der Woche, die restlichen 2 Tage gehen auch schnell rum“ !

 

Aber das kann doch nicht der Grund sein, warum wir auf diese Welt gekommen sind – damit wir die Zeit rumbringen, damit wir endlich in die Rente gehen können und dann können wir machen, was wir wollen…und was tun wir dann? Dann lassen wir es ruhig angehen….relaxen….etwas im Garten machen…vielleicht die eine oder andere Reise….sofern es unser Gesundheitszustand zulässt….denn dadurch, dass wir Jahre….Jahrzehnte eigentlich was gemacht haben, was uns nicht so richtig gefallen hat….wir vielleicht gar nicht mal drüber nachgedacht haben, ob es uns gefällt oder was wir gerne machen würden, wenn wir die freie Wahl hätten….keinen Druck hätten, Geld verdienen zu müssen…

 

Wir kommen schon sehr früh in eine „Tretmühle“, von der wir gar nicht mehr so wirklich rauskommen, bis irgendeine Krankheit oder auch ein Schicksalsschlag uns „rausreisst“ und uns die Gelegenheit gibt (so sehe ich das mittlerweile), darüber nachzudenken, was uns „das Leben“ sagen will….dass es für uns geschehen könnte, nicht gegen uns…eine Chance, alles nochmal zu überdenken und vielleicht auch neu zu ordnen….neue Pfade auszuprobieren….wie ein Kind, das die Welt entdeckt und erobert, neugierig, offen, ohne Furcht zu scheitern…falsch zu gehen….wenn ein Kind so denken würde wie der Großteil der Erwachsenen, würden die wenigsten Kinder laufen lernen….weil sie es nicht immer wieder versuchen würden, bis es klappt, sondern im Vorfeld schon sagen würde „Ich probier`s erst gar nicht…wer weiß, was dabei rauskommt…wenn ich hinfalle, tu ich mir vielleicht weh…und wenn ich es gar nicht kann das mit dem Laufen….ne, ich bleib lieber auf der sicheren Seite, ich bleib auf Mama`s Arm….da bin ich zwar begrenzt und auf sie angewiesen, aber ich weiß, was ich hab!“
Schon mal drüber nachgedacht?