Mein Mann starb vor mehr als 3 1/2 Jahren und ich habe heute immer wieder Tage, an denen ich den Schmerz um den Verlust dermassen stark spüre, dass ich mir denke, es nicht aushalten zu können. Und dann steigt die Wut in mir hoch!

Verdammte Hacke, wie lange denn noch!? Wann hört das endlich auf? Ich habe doch schon so viel geheult, getrauert – das muss doch irgendwann vorbei sein! Das kann doch nicht sein, dass ich Jahrzehnte lang trauere. Das ist doch nicht normal!

An solchen Tagen ertappe ich mich dabei, dass ich aggressiv werde gegenüber anderen in Trauerforen, die jammern, die Verstorbenen wieder zurückholen wollen, in ihrem Leid zerfliessen… ich merke, dass ich es nicht mehr lesen kann ohne wirklich stinksauer zu werden.

Aber was ist das?

Was triggert mich so, dass ich diese Menschen nicht da lassen kann, wo sie gerade stehen? Vielleicht wollen die auch gar nicht raus aus dem Leid? Vielleicht fühlen sie sich so wohl, den Verstorbenen näher? Manches Mal verherrlicht man ja die Verstorbenen auch, würde sich niemals trauen, schlecht über sie zu reden oder im Nachgang Vorwürfe oder Wut zu äussern. Warum eigentlich nicht? Sind mit dem Tod alle Unklarheiten bereinigt?

Einfach so nur durch den Tod? Kann das sein? Oder ist es eher so, dass wir es uns nicht trauen aus Angst, was die anderen dann von uns denken?

Haben wir selbst Angst vor der Strafe Gottes, wenn wir schlecht über Tote reden? Was heisst überhaupt schlecht reden?

Was ist so schlimm daran, seinem Ärger Luft zu machen? Ist es nicht auch enorm wichtig für den eigenen Schmerz? Für das eigene Weiterleben?

Je mehr ich mich mit meinem Schmerz auseinandersetze, je mehr komme ich auch an einen Schmerz aus der Kindheit, der dem Schmerz über den Verlust eines geliebten Menschen sehr nahe kommt. Und ich merke, dass dieser „alte“ Schmerz endlich gefühlt werden möchte. Nach all den Jahren klopft er, geweckt durch das tragische Ereignis, an und möchte einfach nur gesehen, angenommen und gefühlt werden. Nicht mehr, aber halt auch nicht weniger!

Ich tauche ein und auf einmal wird’s leichter!

ICH DANKE DIR LEBEN