Alles ist mit allem verbunden.

Auch wir sind mit allem verbunden, obwohl uns unser Verstand immer wieder etwas anderes „weismachen“ will.

Doch wenn wir uns regelmäßig Auszeiten nehmen und unserer Seele lauschen, nehmen wir viel mehr wahr, als uns in der Hektik des Alltags bewusst wird.

Als mein Mann schon einige Monate an Krebs erkrankt war und ich vom Kampf gegen diese Krankheit und um unser Glück erschöpft war und mich dem Leben demütig „hingab“, wurde ich auf einmal sehr still und in dieser Stille wurde ich sehr klar.

Mir wurde klar, dass ich durch den wochenlangen Kampf zum einen sehr viel Energie verpuffte und zum anderen sehr viel wertvolle gemeinsame Lebenszeit verpasste, indem ich permanent im Verstand nach Lösungen suchte, wie denn alles wieder gut werden könnte.

Ich ging wirklich bis an die absolute körperliche Erschöpfung, schließlich wollte ich unserem kleinen Sohn die heile Welt erhalten – ich konnte ganz einfach nicht mehr und gab mich hin.

Und da wurde ich auf einmal ganz still und klar. Ich erinnere mich noch sehr gut daran.

Ich war in einem Organetik-Seminar und eine Kollegin leitete bei mir aus und baute mich energetisch wieder auf und meinte, ich müsse bei meinem Mann auch noch dies und jenes versuchen.

Auf einmal sagte ich „Nein, ich muss gar nichts mehr“ und das war so klar und friedvoll.

Als ich an diesem Tag Richtung heimwärts fuhr, kam der Gedanke, dass ich meinem Mann heute sagen müsse, dass er gehen darf, wenn er das möchte.

Er war für ein paar Tage auf der Palliativstation und ich dachte zu dem Zeitpunkt nicht, dass er so schnell sterben würde.

Als ich ihn im Krankenhaus besuchte, fragte ich ihn, ob er denn noch „weitermachen“ wollte und er sagte „Ja freilich“. Bevor ich ging, gab ich ihm einen Kuss und flüsterte ihm ins Ohr „Wenn du gehen willst, darfst du gehen, es ist alles in Ordnung“.

Am nächsten Morgen beim Kaffeetrinken sagten sie im Radio, dass Andreas Namenstag hätte, mein Mann hatte Andreas als zweiten Vornamen und in dem Moment wusste ich, dass er heute sterben würde.

Und so war es auch – als ich ins Zimmer kam, war er sehr unruhig und wieder flüsterte ich ihm ins Ohr „Es ist alles gut“ und er wurde ganz ruhig.

Wenig später kam seine erwachsene Tochter noch ins Zimmer, wir hielten seine Hand und er hauchte sein Leben aus.

Ich bin dankbar, dass ich dabei sein durfte. Als mein Vater starb, hab ich gefühlt, dass etwas anders war – ich war abends mit Freunden weg und irgendwas war komisch.

Mein Vater war die letzten Monate im Heim und es hielt es nur schwer aus, ihn da liegen zu sehen, körperlich völlig gefangen und geistig vollkommen klar.

Zum damaligen Zeitpunkt wäre ich wohl auch noch nicht so weit gewesen, ich hätte noch zu viel Angst gehabt, vor dem Tod, vor dem Verlust, was danach kommt…ich konnte dem Ganzen auch noch viel besser ausweichen.

Bei meinem Mann ging das nicht mehr. Ich wurde tagtäglich damit konfrontiert und ich hatte die Verantwortung für unseren damals 3jährigen Sohn.

Heute sehe ich es als Geschenk – damals war es für mich die Hölle.

Je stiller wir werden, je öfter wir den Fokus vom Aussen nach Innen richten, desto mehr spüren wir Frieden in uns und es fällt uns leichter, die Dinge anzunehmen, wie sie sind.