Jedes Gefühl hat eine einzige Aufgabe – nämlich gefühlt zu werden, und es gibt nicht eher Ruhe, bis es gefühlt wurde.

Emotion = energy in motion

  1. Die Energie will bewegt werden – die Gefühle wollen fließen – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger…

Wenn wir nicht bereit sind, unsere Gefühle zu fühlen, ihnen Raum zu geben, sie anzuerkennen und uns ihnen hingeben, aus Angst vor noch größeren Verletzungen, aus Angst, sie nicht aushalten zu können oder weil wir ganz einfach die Schnauze voll haben vor den unangenehmen schmerzhaften Gefühlen – dann suchen sie sich im Laufe der Zeit einen anderen Weg, um auf sich aufmerksam zu machen. Das kann körperlich sein, oft auf eine nicht sehr angenehme Art und Weise oder auch durch Probleme im Alltag, in Beziehungen… auf unterschiedliche Art und Weise – sie triggern durch das Aussen dieses Gefühl so auf die Art “Jetzt fühl doch mal hin!!”

Ist eigentlich logisch – wenn ich nicht gehört werde, werde ich zwangsweise lauter, bis ich gehört werde. 

 

Leider Gottes ist es auch heute noch so, dass wir viel „aushalten“, weil wir so erzogen wurden.

Ich kann mich erinnern, dass meine Mutter oft gesagt hat „Ja, das Leben ist kein Zuckerschlecken. Manche Dinge muss man halt aushalten. Nimm‘ Dich nicht so wichtig!“ 

Aber bitteschön wer, wenn nicht wir selbst, soll uns denn wichtig nehmen? 

In dem Moment, wo wir uns selbst nicht wichtig nehmen – wird uns von unserer Umwelt gespiegelt, dass wir nicht wichtig sind…

und das wiederum „stinkt“ uns ungemein – oder?

Genau so ist es in der Trauer – auch hier wollen wir auch gesehen werden als Trauernde, als Hinterbliebene – wir wollen, dass die anderen sehen, dass es uns auch schlecht geht, nicht nur ihnen.

Wenn wir das Gefühl haben, dass wir in unserem Schmerz nicht gesehen werden oder auch wenn wir den Schmerz nicht fühlen wollen, dann neigen wir dazu, “rundumzuschlagen” – unsere Wut, Verzweiflung, Angst wird für Angriff verwendet. Wir bauen uns im Aussen einen Kriegsschauplatz, wo wir diese Schmerzgefühle kanalisieren können – schadhaft, teilweise zerstörerisch… es werde Beziehungen zerstört, teilweise viel Erde verbrannt – weil wir nicht bereit sind, uns dem Schmerz zu stellen. Dies geschieht alles unbewusst – und das Fatale daran ist, dass es uns dabei nicht unbedingt besser geht – im Gegenteil – dadurch, dass wir jedoch im Aussen “beschäftigt” sind, müssen wir nicht nach innen fühlen.

Blöd ist nur, dass, wenn der Kampf im Aussen stagniert oder nichts mehr zu bekämpfen bleibt, werden wir wieder auf uns selbst zurückgeworfen und der Schmerz kommt hoch und in der Zwischenzeit ging es uns ja auch nicht gut – d. h. eine Art doppelter Schmerz!

Was soll das denn jetzt?

Es kann auch sehr gut sein, dass diese nicht gefühlten Emotionen sich körperlich bemerkbar machen. Der Körper ist unser emotionaler Speicher und im Laufe des Lebens sammeln sich da einige Emotionen an und irgendwann “läuft er über” und er zeigt uns diesen Schmerz auf körperliche Art und Weise.

Und jetzt?

Jetzt suchen wir wieder im Aussen! Das haben wir ja schließlich so gelernt. Wir gehen zum Arzt, nehmen Medikamente ein. Hilft nicht viel, vielleicht nur vorübergehend – und dann?

Dann gehen wir zum Facharzt – vielleicht Operation – was wieder eine zusätzliche Belastung für den Körper bedeutet – denn jede Operation ist ein Trauma – und dann – nach einer Weile – kommt das nächste Zipperlein, das bei Nichtbeachtung wieder immer größer und schmerzhafter wird…und das Spiel geht von vorne los.

Ich bin immer wieder erschüttert, wie viele Menschen regelmäßig Tabletten einnehmen; Schmerztabletten, Blutdruck-Tabletten, Zuckertabletten – und das bereits in einem Alter um die 40 Jahre – als wäre es normal, ab einem gewissen Alter Tabletten einzunehmen.

Wann haben wir die Verantwortung für unser Leben abgegeben? Haben wir sie überhaupt jemals übernommen? Haben unsere Eltern uns vorgelebt, dass wir selbst verantwortlich sind für die Umstände, in denen wir leben?

Wie oft haben wir als Kinder gesagt bekommen “Halt dich ruhig! Schrei doch nicht so rum, was sollen die Leute denken?” “Beiß die Zähne zusammen! Ein Indianer kennt keinen Schmerz!”

Und warum? Weil auch sie sehr im Aussen verhaftet sind – generationenübergreifend weitergegeben – nie so wirklich hinterfragt “Ist es wichtig, was die Leute von mir denken? Oder ist es nicht vielmehr so, dass ich meine wertvolle Lebenszeit so gestalten sollte, wie ich es für richtig halte? Wie es sich für mich gut anfühlt?”

Wo wir wieder beim Fühlen wären…

Wann hast du das letzte Mal in dich reingespürt? Mal wahrgenommen, was du überhaupt fühlst und vielleicht sogar warum?