Einfach mal Abstand halten

 

Mein Sohn und ich waren die Tage Hamburg bei “König der Löwen” – wundervoll.

 

Wir fuhren mit dem PKW, ich bin gerne unabhängig und bleibe auch gerne mal stehen, wenn es mir wo besonders gut gefällt.

 

Mittlerweile fahr ich sehr entspannt ca. 140 km/h – schneller strengt mich zu sehr an – das will ich nicht mehr.

Das hab ich mir lange genug angetan – im Pharma-Außendienst fuhr ich 70.000 km im Jahr, war viel auf der Straße und immer in Eile.

Bis ich einmal in eine brandgefährliche Situation geriet. Ich rückte meinem Vordermann etwas nahe “auf den Pelz” – ich wollte, dass er den Weg frei macht. Tat er aber nicht – na gut, dann blieb ich weiter zurück – was solls. Gott sei Dank, muss ich sagen – denn, während mein Vordermann sich immer noch fürchterlich über mich aufregte und immer in den Rückspiegel blickte, bremsten seine Vordermänner alle akut und er bemerkte dies zu spät – ich konnte mich noch zwischen den beiden Spuren durchmogeln und kam dort zum Stehen – mein Vordermann krachte auf seinen Vordermann auf – klack-klack-klack – mehrere Autos schoben sich aufeinander.

Sch….

Ich kann mich noch erinnern, dass mein Bein zitterte ohne Ende und ich nur immer wieder Danke sagte, Danke, dass ich zwar mittendrin, aber nicht betroffen war.

Danke, Danke, Danke.

 

Von da an ließ ich es sein, schnell zu fahren und immer zu drängeln, weil mir alle gefühlt im Weg herumfuhren.

 

Denn, wenn man es realistisch betrachtet, ist man nicht schneller, wenns hoch kommt mal 5 Minuten – aber zu welchem Preis?

 

Also auf dem Weg nach Hamburg überholten viele LKWs und ja – darüber rege ich mich auch manchmal auf, weil es nervt, wenn du von jetzt auf gleich so ausgebremst wirst, andererseits kann ich die LKW-Fahrer auch verstehen.

Nun denn – hinter mir “saß” ein junger Mann schon fast in meinem Kofferraum – ich fuhr auf die rechte Spur und ließ ihn vorbei – war mir zu blöd und ich mag es gar nicht, wenn mir jemand so nah aufrückt. Wer will das schon – trotzdem machen wir es selbst auch manchmal… hm

Also der junge Mann fuhr vorbei und kam natürlich nicht sehr viel weiter, der LKW fuhr ja immer noch vor uns. Und er fuhr dem LKW so dicht auf, dass es wirklich schon bedenklich war – er fuhr ständig rechts und links – als könnte er dadurch schneller an dem LKW vorbeikommen. Ich dachte mir nur, was bringt ihm das jetzt?

Wohlgemerkt, ich war ja in jungen Jahren auch ähnlich drauf. Aber was bringt es uns?

Wenn wir so auf dem Vordermann kleben, dass wir nichts mehr wahrnehmen als die Heckklappe (ist ja fast wie ein Brett vorm Kopf), dass wir vor Wut und Zorn über den unseren Körper übersäuern, unsere Leber belasten – nicht mehr richtig atmen…wofür?

Geht der LKW dadurch schneller weg?

Bestimmt nicht.

Juckt es den LKW-Fahrer? Bestimmt auch nicht – für den ist das Alltag.

Aber was entgeht uns dadurch?

Vieles. Wenn wir uns “zurücklehnen”, es als gegeben hinnehmen und uns stattdessen auf die Umgebung einlassen, mal sehn, wo wir gerade sind und es wahrnehmen, ganz im Hier und Jetzt sind und uns nicht hetzen lassen, dann lösen sich diese “Blockaden” sehr oft wie von Zauberhand auf und auf einmal ist die Fahrt wieder frei.